Nicht-medizinische Heime: Betreutes Wohnen ohne medizinische Pflege
In diesem Blog erklären wir dir, was ein nicht-medizinisches Heim (NMH) ist, für wen diese Wohnform geeignet ist und worin sie sich von einem klassischen Pflegeheim unterscheidet. Im Fokus stehen der Alltag, die Betreuung, die Vorteile für Menschen mit eingeschränkter Selbstständigkeit sowie die Qualifikation des Fachpersonals. Ausserdem erfährst du, worauf du bei der Auswahl eines NMH achten solltest.
Inhaltsverzeichnis
- Was ist ein NMH?
- Wer profitiert von einem NMH?
- Der Unterschied zum klassischen Pflegeheim
- Wie sieht der Alltag & die Betreuung im NMH aus?
- Nicht-medizinische Heime in der Schweiz
- Welche Ausbildung haben Fachpersonen im NMH?
- Was kostest ein NMH & wer übernimmt die Kosten?
- Worauf muss ich mich beachten bei der Auswahl?
- Fazit
Was ist ein nicht-medizinisches Heim?
Ein nicht-medizinisches Heim ist eine Wohnform für Menschen, die keine medizinische Pflege im engeren Sinn benötigen, aber dennoch auf Unterstützung im Alltag angewiesen sind. Diese Einrichtungen richten sich an ältere Personen, Menschen mit psychischen oder kognitiven Einschränkungen sowie an Personen mit einer Behinderung. Im Mittelpunkt stehen soziale Betreuung, Tagesstruktur und ein möglichst selbstbestimmter Alltag – ohne ständige medizinische Überwachung, aber mit Blick auf gesundheitliche Risiken wie Thrombosen. In bestimmten Fällen kann zur Thromboseprophylaxe auch eine Antikoagulation mit niedermolekularem Heparin verordnet werden.
Wer profitiert von einem NMH?
Ein nicht-medizinisches Heim (NMH) bietet Menschen ein passendes Umfeld, die in ihrer Selbstständigkeit eingeschränkt sind, aber keine intensive Pflege benötigen. Besonders profitieren Personen, die im Alltag Unterstützung brauchen – etwa bei der Körperpflege, beim Anziehen oder bei der Einnahme von Medikamenten – jedoch keine durchgehende medizinische Betreuung brauchen. Auch Menschen mit chronischen Erkrankungen, leichter Demenz oder einem erhöhten Risiko für gesundheitliche Komplikationen, wie Lungenembolien, finden hier eine sichere und betreute Wohnform.
NMH schliessen die Lücke zwischen dem selbstständigen Wohnen und einem Pflegeheim. Sie bieten ein stabiles Umfeld mit Alltagshilfe, sozialer Begleitung und einer gewissen Tagesstruktur. Ziel ist es, den Bewohner:innen ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen – mit genau der Unterstützung, die individuell notwendig ist, ohne sie unnötig in ihrer Autonomie einzuschränken.
Der Unterschied zum klassischen Pflegeheim
Im Gegensatz zum Pflegeheim steht im NMH nicht die medizinisch-pflegerische Versorgung im Mittelpunkt. Die Bewohner:innen erhalten alltagspraktische Unterstützung, emotionale Begleitung und eine sinnvolle Tagesstruktur. Bei Bedarf können medizinische Massnahmen wie eine Antikoagulation zur Thromboseprophylaxe – etwa bei bettlägerigen Bewohner:innen – durch externe Fachpersonen organisiert werden. Es werden jedoch keine Pflegestufen angewendet, und die Einrichtungen arbeiten häufig mit externen Pflege- oder Hausärzt:innen zusammen. Das macht NMH flexibler und kostengünstiger für Menschen ohne intensiven Pflegebedarf.
Alltag und Betreuung im NMH
Im Alltag eines NMH stehen Selbstbestimmung und Teilhabe im Vordergrund. Die Bewohner:innen erhalten Unterstützung im Haushalt, bei der Tagesstruktur sowie bei persönlichen Herausforderungen. Kreative Aktivitäten, Bewegungsangebote und soziale Kontakte tragen zur Lebensqualität bei. Für gefährdete Gruppen ist auch die Vermeidung von thromboembolischen Komplikationen ein Thema. Fachpersonen achten auf frühe Anzeichen und organisieren gegebenenfalls prophylaktische Massnahmen. Studien zeigen, dass gerade diese Form des betreuten Wohnens positive Auswirkungen auf psychische Stabilität und Gesundheit haben kann.
Nicht-medizinische Heime in der Schweiz
Haus Wäckerling
Ein Beispiel ist das Haus Wäckerling in Uetikon am See (ZH), das sich auf die Begleitung von Menschen mit Demenz spezialisiert hat. Das familiäre Umfeld, die klare Tagesstruktur und die individuelle Betreuung bieten auch Patient:innen mit erhöhtem Thromboserisiko eine sichere Umgebung.
Stiftung Tannenhof Gampelen
Die Stiftung Tannenhof in Gampelen (BE) richtet sich an Menschen mit psychischen oder sozialen Beeinträchtigungen. Neben dem betreuten Wohnen werden dort auch Arbeits- und Freizeitangebote angeboten. In der Betreuung wird besonders auf medizinisch relevante Risiken wie Lungenembolien geachtet, wobei bei Bedarf auch prophylaktische Therapien zum Einsatz kommen.
St. Josef-Stiftung Bremgarten
In der St. Josef-Stiftung in Bremgarten (AG) wohnen Menschen mit geistiger Behinderung. Die Einrichtung kombiniert betreutes Wohnen mit Arbeitsplätzen und individueller Förderung. Sie arbeitet eng mit externen Pflegediensten zusammen, um eine lückenlose Versorgung sicherzustellen, falls medizinische Betreuung erforderlich wird.
Welche Ausbildung haben die Fachpersonen im NMH?
Die Betreuung in einem nicht-medizinischen Heim erfolgt durch qualifiziertes Fachpersonal aus den Bereichen Gesundheit, Soziales und Pädagogik. Dazu gehören Fachpersonen Betreuung (FaBe), Fachpersonen Gesundheit (FaGe) sowie in spezialisierten Einrichtungen auch diplomierte Pflegefachpersonen HF. Diese verfügen über Kenntnisse in Bereichen wie Prophylaxe, Gesundheitsförderung, psychosozialer Begleitung und teilweise auch im Umgang mit Antikoagulation. Ergänzt wird das Team durch Sozialpädagog:innen und Arbeitsagog:innen, die für Tagesstruktur, Beschäftigung und soziale Integration sorgen. Eine enge Zusammenarbeit mit externen Fachstellen – etwa bei der medikamentösen Therapie oder bei Studien zu neuen Betreuungskonzepten – ist üblich. In laufenden Trials wird geprüft, wie NMH langfristig zur Entlastung des Gesundheitssystems beitragen können.
Was kostet ein NMH – und wer übernimmt die Kosten?
Die Pflegeheim-Kosten und deren Finanzierung sind gut vom Schweizerisches Rotes Kreuz dokumentiert, doch für NMH gelten eigene Regeln. Da keine Pflegestufen angewendet werden, erfolgt die Finanzierung meist über eine Kombination aus Eigenleistung, IV-Beiträgen, EL oder kantonaler Unterstützung. Krankenkassen übernehmen in der Regel keine Grundkosten. Ob ein NMH für eine Person infrage kommt, hängt von deren Bedarf, Vermögen und kantonalen Regelungen ab. Eine individuelle Abklärung ist unerlässlich.
Worauf achten bei der Auswahl?
Bei der Auswahl eines NMH sollte die persönliche Situation im Vordergrund stehen. Relevante Kriterien sind das Betreuungskonzept, die Lage, die Atmosphäre, die Nähe zu Angehörigen und natürlich die Kosten. Auch die Möglichkeit prophylaktischer Massnahmen – zum Beispiel zur Vermeidung von Thrombosen – sollte bei vulnerablen Gruppen berücksichtigt werden. Persönliche Besuche, Gespräche mit der Heimleitung und Einblick in den Alltag helfen bei der Entscheidungsfindung.
Fazit: Nicht-medizinische Heime als alternative Wohnform
Nicht-medizinische Heime sind eine sinnvolle Alternative zum Pflegeheim für Menschen, die keine Rund-um-die-Uhr-Pflege benötigen, aber nicht allein leben können oder wollen. Mit individuell abgestimmter Unterstützung, professioneller Begleitung und einem wohnlichen Umfeld bieten NMH ein Leben in Würde, Sicherheit und sozialer Teilhabe. Sie sind besonders geeignet für Menschen, die Wert auf Selbstständigkeit legen – und dennoch ein professionelles Netzwerk im Hintergrund schätzen.
